Und der Plan dahinter
08/28/07 10:56 PM von Kitty KomaTextpattern ist mir mittlerweile zu exotisch geworden. Ich denke, ich werde mal für eine Weile in die twoday-community wechseln. Allerdings unter Mitnahme meiner alten Texte. Die Öffentlichkeit dorten ist schon nicht schlecht. Da ich kein A auf mien Blog gestempelt sehen will, habe erreiche ich mit einer Insellösung nicht allzu viele Menschen.
Und dann wechsele ich vielleicht wieder zurück zu einem selbstgemachten wordpress-blog.
Dachte ich mir so…
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Benimmfrage
08/28/07 04:37 PM von Kitty KomaDarf man Blogger eigentlich per Kommentar auf Rechtschreibfehler aufmerksam machen? Also jetzt nicht Vertipper oder schräge Grammatik, sondern richtig üble Sachen, bei denen man den Leuten nicht wünscht, daß sie es im nächsten Geschäftsbrief auch so schreiben.
Es gibt da keinen zu verlinkenden Anlaß. Wir sind nur mittlerweile alle ein bißchen Pisa.
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porNO
08/23/07 07:42 PM von Kitty KomaVor Jahren blieb ich am Empfehlungstisch der Stadtbibliothek hängen. Ich griff neugierig nach Dworkins Pornografie . Wo Porno draufsteht, steht bestimmt Porno drin. Ich las mich fest, wie jemand, der angesichts eines Unfalls nicht wegsehen kann. Die Hysterie und Emotionalität des Textes faszinierte mich zutiefst.
Ein bißchen erinnerte mich die Dame an meine Mutter, die als Vierjährige entdeckt hatte, daß die Eier bei den Hühnern aus dem Popo kommen und deshalb nur noch Eier aus dem Laden haben wollte und nicht mehr aus dem Stall.
Ich hatte als Vierzehnjährige am Großfamilientisch betretenes Schweigen ausgelöst, als ich meine Oma fragte, ob sie mir Lady Chatterley borgt, wenn sie es ausgelesen hat. Räusper…Hust . Ich habe das Buch bekommen, weil es wohl einfacher war, vor versammelter Mannschaft Ja zu sagen, als mir zu erklären, warum das nichts für mich ist.
Porno in der DDR, das waren zerfledderte, speckige schwedische Heftchen aus dem 70ern, in denen die G*ngbangs aussahen wie ABBA beim F*cken und die von ihren Besitzern gehütet wurden, wie ein Augapfel. Oder Fotos von Fotos von Fotos von abfotografierten Heftchen, die ein Schlitzohr mit eigener Dunkelkammer vor der Schule für zwei Mark das Stück vertickte.
Es ging sogar das Gerücht um, daß der Amateurfilmclub, in dem ich vierzehnjährig meine ersten Super-8-Filme machte, einen Teil des Jahreskontigents an Filmen zweckentfremdete, um Werktätige bei der aktiven Familienpolitik zu zeigen.
Die Bildungslücken waren nach Mauerfall schnell geschlossen. Ich zwängte mich mit einer Freundin in eine Kabine, um auf einem von der Decke hängenden Fernseher hektisches fleischfarbenes Gerammel anzusehen oder ging mit meinem Freund in eines der längst vergessenen Kudammkinos. Dort liefen amerikanische Schwarzweißfilme aus den 60ern, denen ein Kommentator wissenschaftlich erklärte, was die Männer mit den Koteletten mit den Frauen mit den langen Haaren da trieben. Manchmal gab es auch krude polnische Ware, in denen ein dickbäuchiger, schnauzbärtiger, nach Klempner aussehender Typ heftig um eine Erektion kämpfte und immer mal in die Kamera schielte, ob das denn jetzt so ok. sei, was er da macht.
An Carol Lynn kann ich mich auch noch erinnern. Das waren schon Qualitätsprodukte. Die Gute ist mittlerweile mittlerweile im Ruhestand eine breithüftige Mama geworden.
Den inneren Aufruhr von Frau Dworkin konnte ich nicht ganz teilen. Ich werde jetzt nicht schreiben, daß ich mir die Filme aus rein kulturhistorischen Interesse angesehen habe. Die waren schon ok. Wenn es auch nervig war, daß das Hauptmotiv blasende Frau, die von unten her zu ihm aufschaut war und zudem die Männer meistens ziemlich Scheiße aussahen.
Als die Mode begann, den Frauen viel Silikon unter hauteng zurechtgeschnittener Haut zu verordnen, stieg ich aus den Profiprodukten weitgehend aus. Das war nur noch Vaginalakrobatik und hatte nicht mal mehr den Anschein von Authentizität. Langweilig.
Das Internet scheint die Branche grade zu ruinieren. Wozu noch Filmchen kaufen? Einzig Pink Prison steht in meinem Regal. Schon um Lars von Trier die Filme zu finanzieren. Der ist ganz nett, zeigt hübsche Männer, die ihn aber allesamt nicht so recht hochkriegen. Und die ganze frauenaffine Romantik – keine Nahaufnahmen, Traumsequenzen – ist nicht so mein Ding.
Mittlerweile sind die briefmarkengroßen Internet-Bildchen, auf denen man nicht wußte, sind das grade Pixelsprünge oder action, was da ruckelt, ansehbare Clips geworden.
Globalsierter S*x. Brasilianische Bikinimädchen mit ihren stolzen Stechern, rumsudelnder, fetter White Trash, abartige japanische Praktiken (die haben echt nen Knall), vor Aufregung angesichts einer nackten Frau fast explodierende Türken und der banale besoffene, flachgelegte westeuropäische Teenger, gefilmt mit der Handykamera.
Demokratisch und unproblematisch zu konsumieren und daher sicher nicht unbedingt nur noch Männersache.
Tja, Alice, tut mir leid.
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Ham se übahaupt jedient?
08/07/07 10:15 PM von Kitty KomaSetzen wir doch einmal den Reigen der peinlichen Geständnisse fort.
Ich mag Uniformen. Nicht das nach Schweiß, Stiefelwichse und Tabak riechende filzige Feldgrau. Nein. Maßgeschneiderte Stiefelhosen mit roten Generalsstreifen, silberne oder goldene geflochtene Schulterstücke und Interrimsspangen, die die Kurzform der Orden codieren. Barette, Kampfanzug und Schnürstiefel inclusive.
Ich kann mich auf eine frühkindliche Prägung herausreden, ich bin quasi beim Militär großgeworden.
Komischerweise sind meine sonderbare Fixierung und mein Schwerter-zu-Pflugscharen-Pazifismus nie miteinander kollidiert.
Uniformen in denen ein passabler Kerl mit adäquatem Dienstrang steckt (was hieße von Oberst aufwärts), sind relativ selten. Sie werden entweder von Studienrätinnen in den Schrank gehangen, die ein verbeamtetes Pendant suchten, das nicht ebenfalls ab Mittag im Haus rumhängt. Oder aber sie liegen in Beziehungskisten mit grünen Abgeordetinnen auf der Stuhlkante.
Mangels anzuschmachtendem Material habe ich einen Ersatz gefunden: Mann im Anzug. Also nicht der C*A-Knautschke für Versicherungsvertreter. K*ton, Z*gna, Nadelstreifen, dunkelblau, dunkelgrau, schlammfarben. Dazu italienische Hemden mit handgenähten Ärmeln und Knöpfen, am liebsten die hellblauen. Krawatten, die immer auf der Kante des farblichen Wagnisses sind und in der nächsten Saison gar nicht mehr gehen. Pferdelederschuhe und -gürtel, kein Unterhemd.
Also im Grunde ganz schlicht, mit wenig Chi Chi und nur wenigen zu variierenden Details. Und wenn ich in meinem nächsten Leben ein Mann werde (ich habe es bereits beantragt) trage ich genau solche Anzüge. (Es sei denn er beamt mich ins 18. Jahrhundert, dann wird es eine Husarenuniform.)
Unwiderstehlich. Freitag abend. Heman und ich kommen aus einem Konzert. Ich schraube an meinen Ohrringen. Er knibbelt an den Manschettenknöpfen, das Hemd aufgeknöpft und schon halb von den Schultern gezogen. Wir haben es dann nicht mehr geschafft, die Schuhe auszuziehen.
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Antonioni
08/01/07 11:33 AM von Kitty Komamein Regisseur. Während meines Studiums, bei dem ich mich nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe, lieferte ich eine 20-seitige Arbeit zu Zabriskie Point ab, die meinen Lehrkörper in unerwartete Euphorie versetzte. Was ich garnicht verstand. Ich hatte nur in die Tasten gehackt. Etwas über die Dramaturgie der Distanz geschrieben. Darüber, daß ein Regisseur die Härte und die Konsequenz besitzt, dem Zuschauer seine kühnsten Wunschträume zu zeigen und sie langsam, aber sicher zu sezieren und zu demontieren. In Blow up war es Swinging London und die Modeszene. Das letzte Bild des Films ist das umgekehrte blow up: eine lange Kranfahrt, die den Fotografen als kleinen, verlorenen Punkt auf einer Wiese enden läßt. In Zabriskie Point waren es die Hippie- und Aussteiger-Träume, die in jenem grandiosen Schlußbild der explodierenden Villa zerbarsten.
Antonioni ist am Ende seines Lebens in die absolute Distanz gegangen. Nach einem Schlaganfall konnte er nicht mehr sprechen, in seinem letzten Film, eine Episode in Eros, den im Grunde genommen Wim Wenders für ihn drehte, verständigte er sich am Set mit zu erahnenden Gesten.
Ein großer, aber kein leicht zu konsumierender Künstler. Weil er uns immer wieder an unseren Erwartungen gepackt und sie unterlaufen hat. Kein Menschenfreund. Nicht der verständnisvolle Empathiker wie Fellini. Ein Analyst.
Und nun der Nachtrag aus der Spökenkieker-Abteilung. Letzte Woche, es muß Donnerstag oder Freitag gewesen sein, bin ich hektisch durch durch den spon-newsletter gescrollt, keine Zeit, länger zu lesen. Ich überflog nur die Headlines, Antonioni gestorben las ich. Am Wochenende schlug ich die Zeitungen auf und ärgerte mich, daß er scheinbar so vergessen war, daß keine Nachrufe abgedruckt waren. Für Montag nahm ich mir vor, den spon-Artikel zu lesen, kam aber nicht dazu, weil sich die Meldungen zum Tod von Ingmar Bergman stapelten. Wieder nur der Gedanke: Das kann doch nicht sein! Ist Antonioni denn völlig vergessen? Gestern abend, schon im Bett liegend, bastelte ich an einem kleinen Nachruf für ihn. Heute morgen dann der Zeitungsartikel. Er ist Montag nacht gestorben. Ich war wohl zu früh dran.
Vielleicht sollte ich diese Gabe zu Geld machen. Zweitberuf Medium.
